Fire Cider – der beste Immunbooster der Welt!

Dieser Kult-Immunstärker ist in englischsprachigen Ländern viel bekannter als bei uns

Die genaue Herkunft dieses Kräutertonikums (als Tonikum werden allgemein Mittel mit kräftigenden Substanzen bezeichnet) ist nicht ganz klar. Kräuter und Wurzeln für potente Tonika zu verwenden, die das Immunsystem stärken, ist eine weltweit verbreitete Winterpassion. Im Fall des Fire Cider deutet einiges darauf hin, dass er von der amerikanischen Kräuterkundlerin Rosemary Gladstar kreiert worden sein könnte, die das Rezept zumindest irgendwann in den 1980ern publiziert hat. Also vielleicht nur scheinbar ein altes Hausmittel? Dazu ein amüsantes Detail: Einige Vertreiber von Fire Cider weisen in ihren Werbetexten stolz auf ihre deutschen Wurzeln und angeblich über Generationen überlieferte Rezepte hin.

Egal, wie man den Feuermost zubereitet, es braucht starke Nerven für dieses Getränk. Denn in ihm treffen einige wirkungsmächtige Geschmacksträger aufeinander, ein Abfolge von essbaren Mutproben, die sich zu einem geschmacks-nervösen Feuerwerk verbinden: Chili oder Cayennepfeffer, Kren, Ingwer, Rosmarin, Zwiebel, Knoblauch, Zimt, Zitrusfrüchte und Honig. Es schmeckt quasi gleichzeitig scharf, sauer und würzig, etwas süß und dann nochmals SCHARF. Im Winter jeden Tag ein Stamperl davon zu sich zu nehmen soll wahre Wunder wirken. Oder, wie Rosemary Gladstar in „Herbs for the Home Medicine Chest“ rät: „Wenn eine Erkältung ausbricht, nimm einen Teelöffel jede halbe Stunde oder so oft wie nötig.“ Aber Vorsicht: Nachmachen nur auf eigene Gefahr!

Man kann Fire Cider auf zwei Arten herstellen: als „Pickle“, also sauer Eingelegtes, oder als Ferment, in diesem Fall verwendet man keinen Essig, sondern setzt die Zutaten in einer 2–3%-Salzlösung an. Da die Fermentierung aber viel länger dauert, beschreibe ich hier die Variante mit Essig. Die Zutaten können nach eigenem Geschmack und Ideen variiert werden. Scharf sollte es sein, was Zitroniges dabeihaben und auf alle Fälle sollte man den Cider immer mit Honig abrunden.

Zutaten:
70 g Ingwer
70 g Kren
1 Knoblauchzehe
3 Rosmarinzweige
1 TL ganze schwarze Pfefferkörner
2 Zimtstangen
2 – 3 Jalapeño-, Habanero- oder Serranochilischoten
1/2 Zwiebel
1 Zitrone
1 Orange
500 g roher Apfelessig
200 g unverarbeiteter Honig

Zubereitung:
Geschälte Ingwer- und Krenwurzeln kleinwürfelig aufschneiden und in ein Ein-Liter-Glas geben. Die Knoblauchzehe kommt im Ganzen ins Glas, ebenso die Rosmarinzweige, Zimtstangen und Pfefferkörner. Egal, welche Chilisorte Sie verwenden, ziehen Sie beim Halbieren der Chilis bitte Handschuhe an. Es brennt furchtbar, wenn man sich mit einer „Chilihand“ unbedacht über das Auge wischt. Die halbe Zwiebel nochmals teilen, die Zitrone und die Orange in Viertel aufschneiden, dann alles ins Glas schichten und leicht nach unten drücken.

Das Glas nun mit der Essigmenge aufgießen. Falls es dann noch nicht voll ist, kann man mit Wasser auffüllen. Das Glas verschließen. Wenn Sie ein Glas mit Schraubverschluss verwenden, empfehle ich Ihnen, ein Stück Pergament zwischen Glas und Deckel zu legen, um eine korrosive Reaktion mit dem Essig zu vermeiden. Nun wird das Glas an einen kühlen, dunklen Ort gestellt und jeden Tag oder alle zwei Tage für einige Sekunden geschüttelt, und dies mindestens für drei bis zu sechs Wochen. Man sollte also vorsorgen und den Fire Cider schon bereit haben, wenn die Erkältung kommt!

Nun wird die Flüssigkeit aus dem Glas durch ein Käsetuch oder ein feinmaschiges Sieb gegossen. Die ausgelaugten Früchte und Gewürze kann man entsorgen. Jetzt ein wenig Wasser leicht erhitzen (nicht über 40 Grad Celsius) , den Honig unterrühren, bis er ganz aufgelöst ist und zum Fire Cider geben. Kosten und bei Bedarf noch etwas mehr Honig einrühren. In schöne Flaschen abfüllen und im Kühlschrank lagern.

Verwendung:
Wenn Sie mutig sind, trinken Sie täglich ein bis zwei Stamperln „ex“, oder Sie verdünnen den Fire Cider mit stillem Wasser. Sie können ihn auch statt normalem Essig für ein Salatdressing verwenden, das gibt jedem Salat einen kräftigen „extra Bumms“.

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Holundersirup, Hollersprudel & Holunderessig

Holler, net Kürbis, sagt die informierte Steirerin, denn die Steiermark ist mit 1.400 Hektar Anbaufläche das größte Anbaugebiet für Holunder der Welt.
Lesern und Leserinnen von Phantastischer Literatur muss man nicht erzählen, wie besonders Holunder ist, denn der taucht da ohnehin immer auf, wenn‘s wichtig ist. In „Harry Potter“ zum Beispiel, da hat der mächtigste alle Zauberer, also Albus Dumbledore, einen „Elderstab“. Was leider ein wenig falsch übersetzt ist, denn Holunder heißt auf Englisch: „Elder“. Richtiger wäre es also, den „Elderwand“ mit „Holunder-Zauberstab“ zu übersetzen, aber das war dann wahrscheinlich zu lang. Im Englischen ist das ein doppelt schönes Wortspiel, weil „Elder“ heißt nicht nur Holunder, sondern auch „Ältere“, also mischen da auch die Weisen und die Vorfahrinnen mit.

Abgesehen von seiner vielfältigen Bedeutung in Mythologien, ist der Holunder und speziell der Schwarze Holunder eine supergeniale Ess- und Heilpflanze. Zuerst die Blüten im Mai, superschön, extrem stark und fruchtig duftend, mir am liebsten als Holunderkrapferln oder auch als Sirup. Später die Beeren, die liebe ich als Marmelade oder als Likör. Beim Nachlesen bin ich sogar auf eine Suppe gestoßen, die man aus Holunder macht: die Fliederbeersuppe. Früher hat man mit den Beeren auch Stoffe gefärbt, was die DIY-Welle gerade wiederentdeckt. Und schließlich: Aus Holunderholz macht man halt die allerbesten Zauberstäbe …

Dieses Rezept ist etwas ganz Besonderes für mich, es stammt von meiner Mutter und wurde über die Jahre immer mehr von ihr verbessert und perfekt unserem Familiengeschmack angepasst. So und nicht anders trinken wir den Hollersaft, leicht eingedickt und mit etwas weniger Zucker. Das Einzige, was mit der Tradition des Rezepts bricht, sind die Blüten, die kommen in dem Fall nicht aus der Südsteiermark, sondern aus den Auen des Wiener Praters.

Allen, die sich in ihrer Stadt oder Gegend auf eine Holunderblüten-Safari begeben wollen, und allen, die ihre besten Standorte teilen möchten, empfehle ich mal auf mundraub.org zu schauen.
Tipps für die Blütenernte: der Blütenstaub ist ausschlaggebend für das Aroma des Sirups. Die Blüten also vorsichtiger als rohe Eier behandeln.
• Blüten nicht abreisen, sondern mit etwas sehr scharfen abschneiden. Damit kein Blütenstaub abfällt.
• Nicht nach einem Regen pflücken, der wäscht den Blütenstaub ab.
• Die Blüten vorsichtig legen. Besser mit einem Korb oder einer Kiste ernten, als in ein Sackerl schmeißen…
• Am besten gleich beim Ernten darauf achten das keine Insekten, welke Blätter oder irgendein Schmutz dabei ist.
• Keine Blüten ernten, an denen Blattläuse haften. Erkennt man ganz leicht, die sitzen dann unter der Blüte am Stiel und sind extra schwarz.

Holunderblütensirup 
Zutaten: 30 bis 40 Blüten, 3 Liter Wasser, 2 kg Gelierzucker 1:1, 1 bis 2 Zitronen, 50 g Zitronensäure
Zubereitung:
Die Blüten möglichst straßenfern und abgelegen sammeln, denn die werden nicht gewaschen, deshalb gleich supersorgfältig pflücken. Nicht ins Sackerl schmeißen, sondern legen. Gut reinigen.
Blüten mit Wasser, den aufgeschnittenen Zitronen und der Zitronensäure mindestens 24, aber nicht länger als 48 Stunden stehen lassen.
Abseihen, alles gut ausdrücken. 
(Wer Essig machen mag, die ausgedrückten Blüten (Trester)  dafür verwenden. Essig machen ist weiter unten beschrieben.)
• Mit Zucker aufkochen. So circa sieben Minuten blubbernd kochen lassen, dann dickt der Zucker ganz leicht ein.
Noch heiß in saubere Flaschen abfüllen. Ich spüle die Deckel vor dem Verschließen immer noch mit etwas Schnaps aus. Dann kann nix schimmeln.

Hollersprudel
Zutaten:
Holunderblütensirup, Mineralwasser
Zubereitung:
Den Sirup mit dem Mineralwasser aufgießen. Fertig!

Das wurde uns als Kinder immer bei Familienfesten und Hochzeiten serviert als Holunderblütensekt (Virgin, sozusagen). Klingt ja auch so schööön: Holunderblütensekt! Schmeckt auch super – nicht nur Kindern. 😉

Holunderessig
Zutaten: Holunderblüten (oder der Holunderblüten – „Trester“ von vorher)heller Essig (Weißweinessig, Apfelessig, weißer Balsamico …)
Zubereitung:
• Die Blüten in ein ausreichend großes Glas geben und mit dem Essig aufgießen. Gut verschließen.
• Für vier bis sechs Wochen an einem dunklen Platzerl stehen lassen. Hin und wieder schütteln.
• Abseihen und in eine schöne Flasche füllen.

Ich muss gestehen ich mach den Essig gerade zum ersten mal. Geschmacklich kann ich ihn mir gut zu leichten Salaten vorstellen. Mehr dazu wenn der Essig fertig ist. Bin schon sehr gespannt.

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