Schlutzkrapfen mit Sauerkraut-Birnen-Speck-Fülle auf Rote-Rüben-Sauce

Der Name passt: gut gefüllt sind es die besten glitschigen kleinen Krapferln, die es gibt. 

Schlutzkrapfen, Schlipfkrapfen, Schliakrapfen oder kurz Schluutza, die Tiroler Spezialität mit dem besonderen Namen schmeckt nicht nur mit traditioneller Füllung, da geht noch viel mehr. Ich stelle hier meine Variation mit Sauerkraut vor. Der Name der Nudeln aus Roggen- und Weizenmehl kommt wahrscheinlich vom Wort „schlu(t)zen“, was auf Tirolerisch „gleiten“, „rutschen“ oder „glitschig“ heißt. Der Begriff „Krapfen“ – den man eher von dem mit Marillenmarmelade gefüllten Germgebäck kennt – gilt in diesem Fall verallgemeinert für etwas Gefülltes.

Nudelteig wie in dem Rezept: „Nudeln selber machen mit Sauerteig“ machen. Wer wie ich einen Roggensauerteig hat, braucht kein zusätzliches Roggenmehl. Wer einen Sauerteig mit Dinkel oder Weizenmehl hat, ersetzt einfach die Hälfte des Mehls mit Roggenmehl.

Zutaten für die Sauce:
• 3 Rote Rüben
½ l Suppe
• 3 EL guter Rotweinessig
2 EL Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl)
1 EL geschmolzene Butter
• Salz, Pfeffer

Zubereitung Rote-Rüben-Sauce:
• Die Roten Rüben schälen, Handschuhe anziehen nicht vergessen! In einem Topf mit Suppe kochen, bis sie weich sind. Ein Geheimnis einer guten Sauce ist: das Gemüse eher überkochen, je weicher die Roten Rüben hier werden, desto besser.
• Die Rüben etwas abkühlen lassen und in grobe Stücke schneiden. In einen Standmixer geben mit dem Rotweinessig und einer Prise Salz. Pürieren und, während der Mixer läuft, langsam das Öl nd die geschmolzene Butter in einem sehr dünnen Strahl einschütten, bis es wunderbar cremig wird.
• Probieren und je nach Geschmack würzen, ich habe noch eine Prise Salz und etwas schwarzen Pfeffer dazugegeben.

Zutaten Schlutzkrapfen:
• 
Nudelteig (Rezept hier: Nudeln selber machen mit Sauerteig)
200 g Sauerkraut (am besten selbst gemacht)
• 1 Schalotte oder ½ Zwiebel
½ Birne
• 50 g Speck
150 g Ziegenfrischkäse
• 1 Ei
2 EL Butter
• Salz, weißer Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung Schlutzkrapfen:
• Für die Füllung das Sauerkraut abtropfen lassen und sehr fein schneiden. • Die Schalotte oder die halbe Zwiebel fein hacken. Die Birne schälen und vierteln, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch kleinwürfelig schneiden.
• Den Speck in einer Pfanne anrösten, bis das Fett ausläuft und der Speck knusprig ist. Speck herausnehmen und zur Seite stellen.
• In dem Fett die Schalotte glasig dünsten, dann die Birne und das Sauerkraut dazugeben und bei kleiner Hitze circa 10 Minuten dünsten lassen.
• Mit Muskat und weißem Pfeffer würzen, vom Herd nehmen, den Frischkäse und klein geschnittenen Speck dazumischen. Abkühlen lassen und wenn nötig mit Salz nachwürzen.
• Den Teig dünn auswalgen. Wer hat, kann hier eine Nudelmaschine verwenden, ich mach es immer mit dem Nudelwalger.
Meine Schlutzkrapfentechnik nennt sich: Die Quadratur des Kreises:
Den Teig gedanklich in zwei Hälften teilen. Mit einem runden Ausstecher oder einem Glas Kreise markieren, aber nicht ausstechen. Darauf die Fülle geben.
Das Ei aufschlagen und alles gut einstreichen. Die freie Teighälfte auf die belegte falten und die Ränder aneinanderdrücken. Alles rund um die Füllungen gut glatt streichen. Mit einem Schneiderrädchen Teig in Quadraten schneiden.
• Einem großen Topf mit reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Schlutzkrapfen, wenn nötig portionsweise, leicht köcheln lassen. Sie sind fertig, wenn sie an die Oberfläche kommen.
• In einer Pfanne 2 EL Butter erhitzen und die Schlutzkrapfen kurz darin schwenken.
• Zum Servieren etwas Rote-Rüben-Sauce am Teller verstreichen, die Schlutzkrapfen dekorativ darauf verteilen. Wer mag, kann sie noch mit Schnittlauch oder Ähnlichem bestreuen. Bei mir sind es Radischensprossen und kleine Speck Bruchstück.

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Steirisches Osterbrot: das „Weihbrot“ von der Glirschn-Oma

Leicht gewürztes, süßes Weißbrot mit Rosinen ist ein steirisches Sanktum zu Ostern. Es dient dem „Xöchlten“, also dem geselchten Weihfleisch, als flaumige Unterlage, am besten mit einer gehäuften Portion Kren obendrauf. Klingt kulinarisch vielleicht unvereinbar, schmeckt aber köstlich!

Brot backen, das war in meiner Kindheit immer Omas Domäne. Die Oma ist dafür die paar Tage vor Ostern immer bei Morgengrauen aufgestanden und hat sich auf dem knarrenden Holzboden aus dem Haus geschlichen. Die sogenannte Saukuchl verwandelte sich während dieser Tage in ihre private Backstube, in der es dann saunaähnliche Temperaturen hatte. Wenn ich Stunden später auch aufstand, war es, als schwebte der ganze Bauernhof auf einer süß duftenden Germteigwolke. Gemeinerweise durfte man nicht kosten, das war strikt reglementiert. Das Brot gab es immer erst nach der Osterweihe vulgo „Fleischweich“ zu essen.

Beim Brotbacken zu Hause ist es oft schwierig, die optimale Brotumgebung herzustellen. Sprich: die richtige Wärme zu erzeugen, damit der Germteig gut aufgeht. In meinem Rezept verrate ich ein paar Tricks, die man leicht nachmachen kann. So wird Brotbacken supereinfach. Übrigens: Das Osterbrot ist ein gutes Einstiegsprojekt, wenn man mit dem Brotbacken anfangen möchte.

Hier das alte, weitergegebene Rezept von meiner Oma aus der Südsteiermark:

Equipment:
• Verschließbare Schüssel, die ins Waschbecken passt
Heizdecke

Süßes Osterbrot, Zutaten für einen Laib:
• 1/8 l Weißwein, wer hat, fruchtigen Wein wie Morillon, Weißburgunder, Grauburgunder, Gelben Muskateller …
• 185 ml Milch
• 1 Prise Gewürznelke, gemahlen
• 1 Prise Zimt
• 50 g Zucker
• 25 g Germ oder 1 Packung Trockengerm
• 70 g Schweineschmalz, wer das nicht hat, nimmt Butter
• 1 Schuss Schnaps, wer hat, einen Selbstgebrannten, Slibowitz geht auch
• 500 g Mehl (halb griffiges und halb glattes)
• ½ TL Salz
• Eine Handvoll Rosinen
• Etwas Milch zum Bestreichen

Pikantes Osterbrot, Zutaten für einen Laib:
• 310 ml lauwarmes Wasser
• 25 g Germ oder 1 Packung Trockengerm
• 500 g griffiges Mehl
• 1 ½ TL Salz
• Etwas Milch zum Bestreichen

Zubereitung:

Den Wein und die Milch mit dem Zucker und den Gewürzen leicht erwärmen, gerade so viel, bis der Zucker sich aufgelöst hat.
Trockengerm: Die Hälfte der Flüssigkeit in eine Glasschüssel gießen, die Flüssigkeit muss handwarm sein, also so zwischen 35 und 37 Grad. Sonst ein wenig abkühlen lassen. Die Trockengerm dazugeben und 10 Minuten stehen lassen. Tipp: Wenn du Trockengerm verwendest, ist das ein guter Test, ob die Hefe noch aktiv ist. Wenn es nach 10 Minuten nicht leicht schäumt, weggeben und mit einem neuem Packerl versuchen.
Frische Germ: Ein „Dampfl“ machen. In die Hälfte der lauwarmen Gewürzmilch den frischen Germ einrühren. Mit ein wenig Mehl bestäuben, abdecken und an einen warmen Ort stellen, bei mir ist das hinten am Kühlschrank, da strömt immer warme Luft auf. Wenn die Mischung das doppelte Volumen erreicht hat, ist es fertig.

Zu der im Topf verblieben Hälfte der Gewürzmilch kommen jetzt der Schuss Schnaps und das Schmalz. Während das Fett schmilzt, kann man das Mehl abwiegen, dazu das Salz und die Rosinen mischen. Das mache ich gleich in der richtigen Schüssel.

Die Gewürzmilch und die Fettmilch zum Mehl geben. Mit einem Kochlöffel untermischen, und die Masse mehr und mehr zusammenschlagen. Der Teig ist ein sehr klebriger. Mit dem Kochlöffel den Teig vom Rand der Schüssel in die Mitte schlagen, für circa 5 Minuten. Ja das ist anstrengend, am besten als Frühlingsworkout sehen. So lange schlagen, bis der Teig schön gleichmäßig ist, er ist noch immer sehr klebrig.

Den Deckel auf die Schüssel geben und warmes Wasser in das Waschbecken einlassen, so zwischen 35 und 38 Grad. Dort kommt die Schüssel mit dem Teig hinein. So lange gehen lassen, bis der Teig das doppelte Volumen hat. Circa eine halbe Stunde. Dann die Schüssel herausnehmen und den Teig noch einmal „zusammenschlagen“, also die Luft aus dem Teig herausschlagen. Dann nochmal gehen lassen. Wenn das Wasser sich abgekühlt hat, einfach warmes nachfüllen. Wenn der Teig nochmal das doppelte Volumen hat, wieder die Luft aus dem Teig schlagen.

Teig aus der Schüssel nehmen und auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche legen. Eine schöne Kugel formen und auf ein Backpapier geben. Eine Heizdecke so beheizen, dass es leicht warm ist. Bei mir ist es Stufe zwei. Einmal einschlagen, und den Brotlaib darin gehen lassen. Für circa eine halbe Stunde.

Das Backrohr auf 190 Grad vorheizen und eine backfeste Form mit heißem Wasser auf den Boden des Backrohrs stellen. Das Brot mit Milch bestreichen. Tipp: Ich gebe eine Prise Kurkuma zur Milch. So bekommt das Brot eine noch schönere Farbe. Den Laib mit Hilfe des Backpapiers aufs heiße Blech geben und für 45 Minuten backen oder bis es schön braun ist.

Vor dem Aufschneiden ganz auskühlen lassen.

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